Zagreb – unerwartet wunderbar!

Split, Einstieg in den Bus bei Sonnenschein, angenehm kuscheligen Temperaturen und guter Meeresluft. Zagreb, Ausstieg aus dem Bus bei Sonnenschein, frischen Temperaturen und stickiger Stadtluft. Ich will zurück ans Meer!!!

Wie Ihr vielleicht bemerkt habt gab es keinen Beitrag zu den Plitwitzer Seen. Das liegt daran, dass ich mich wetter- und geldbedingt dazu entschieden habe, direkt nach Zagreb zu fahren.

Naja, das mit dem Geld… war zwischenzeitlich in Hvar mal vollständig aufgebraucht bzw. das Kreditlimit erreicht! Ich habe gerade noch so die Unterkunft und das Ticket für die Fähre nach Split und Bus nach Zagreb zahlen können. Mit Anbruch des neuen Buchungstages hatte ich aber wieder Zugang zu etwas Geld, sodass alles Reibungslos bezahlt werden konnte – unter anderem dann eine Übernachtung in Zagreb und die Rückfahrt nach Innsbruck.

Was ich bisher nicht erwähnt hatte und an dieser Stelle ganz gut passt: In Makarska habe ich ein volles Portemonnaie mit allen Papieren, Kreditkarte, Bargeld etc. gefunden. Ich ehrlicher Mensch, habe nichts herausgenommen, aber mitgenommen um es bei der Polizei/ Fundbüro abzugeben. Der Fundort lag von der Stadt abseits (auf der Halbinsel) und daher nicht so viel Menschen unterwegs. Kaum von der Fundstelle entfernt, rennt mir ein Mann entgegen. Ich dachte mir, der sieht aus als hätte er etwas wichtiges vergessen. Also fragte ich wie er hieß (habe mir natürlich die Papiere zuvor angeschaut). Stimmte mit dem Namen der Papiere überein. Also gab ich es ihm zurück. Er fragte, was ich dafür wolle. Bevor ich was sagen konnte gab er mir 50 Kuna (ca. 8 €) – ich hatte mir natürlich mehr erhofft, da einiges mehr darin war. Egal, immerhin ein reines Gewissen gehabt.

Zumindest jetzt, in solchen Momenten, in denen man kein Geld mehr hat, wünschte ich mir doch das Bargeld genommen zu haben. Aber ging jetzt auch so und ich behalte mein reines Gewissen 🙂 Und das Wetter sollte in Plitwice sowieso nicht so toll werden und die darauf folgenden Tage sollte es in Zagreb/ Ljubljana nicht besser sein. Von daher: Gleich ab nach Zagreb!

Zagreb hat mich ziemlich überrascht. Wenn es um Kroatien geht, hört man immer nur Istrien, Dalmatien, Kvarner, Adria… oder bei Städtereisen London, Mailand, Paris, Berlin,…. aber Zagreb ist mindestens genauso sehenswert wie die Küste Kroatiens und andere europäische (Groß-)Städte. Dafür, dass Zagreb eine Groß- und Hauptstadt ist, geht alles ziemlich ruhig vor sich. Keine Spur von Hektik, wie ich das von anderen Großstädten kenne. Das ist wirklich sehr angenehm.

Das erste was mir bei den Preisschildern bei Restaurants und Bäckereien aufgefallen ist: Es ist um einiges günstiger als es irgendwo sonst an der Küste (Dalmatien) war – einschließlich beim NP Krka. Pi mal Daumen würde ich einen Preisunterschied von 30% schätzen. Das ist schon ein Wort und hätte damit absolut nicht gerechnet. Lediglich die Unterkünfte sind im Preis ungefähr gleich. An der Küste ist allerdings von sehr billig bis sehr teuer alles dabei. Sehr billig fällt in Zagreb weg. Es sei denn man vergnügt sich in einem 12-Personen Gemeinschaftsschlafsaal im Hostel… da bekommt man ein Bett ab 8 €!

Architektonisch fasziniert mich die Stadt, und vor allem deren Aufteilung, sehr. Die Altstadt bzw. der „touristisch-sehenswerte“-Teil der Stadt gliedert sich in die Oberstadt (Gornji Grad), die sich auf einem Hügel befindet, und die Unterstadt (Donji Grad). Das Besondere an der Unterstadt: Die rechtwinklige Anordnung einer begrünten Architekturanlage, die dadurch die Form eines Hufeisens annimmt – das sog. Grüne Hufeisen.

Wundert Euch bei der Belichtung der Bilder nicht: Manche wurden, trotz der selben Bauwerke, einmal am Abend und einmal am Mittag abgelichtet 😉 Und was ich festgestellt habe, nachdem ich mich fragte warum alle Bilder so schlecht aufgelöst und leicht weißlich/transparent scheinen: Man muss mit dem Mauszeiger drüber fahren, um die volle Farbenpracht und Auflösung zu Gesicht zu bekommen!

Der Ausgang des Hauptbahnhofs liegt an der Ecke zwischen der östlichen Längsachse und der Querachse des Hufeisens. Kaum aus dem Hauptbahnhof gekommen, begrüßt König Tomislav (erster kroatischer König; herrschte im 10. Jh.) auf hohem Ross und erhobener Lanze die Reisenden.

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Direkt hinter dem Denkmal, am Trg kralja Tomislava (östl. Längsachse), befindet sich der Kunstpavillon, bzw dessen Rückseite:
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Andere Seite/Der Eingang (auch noch der Trg kralja Tomislava):
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Weiter der östlichen Längsachse befindet sich der Strossmayerov trg. Darauf steht das Gebäude der Akademie der Künste und Wissenschaften. Davor eine Statue des Bischofs Juraj Strossmayer:
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Der Trg Zrinjevac befindet sich am Anfang der östlichen Längsachse (am Ende meiner Tour entlang der östlichen Längsachse, da ich am Hbf gestartet bin). Auf diesem Platz ist kein Gebäude zu finden. Lediglich Grünfläche, Brunnen und Denkmalköpfe. Jedoch steht am Ende der Allee eine bedeutende Säule: Die Wettersäule. Die Säule ist ca. 2 Meter hoch und sieht aus wie eine große, alte Standuhr. Die Säule misst seit 1884 Temperatur und Luftdruck. Warum ich davon kein Foto gemacht habe, ist mir rätselhaft!

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Weiter mit der westliche Längsachse: Diese beginnt mit dem Trg maršala Tita (Marschall-Tito-Platz). Dort befindet sich das im Neo-barock Stil erbaute Kroatische Nationaltheater:
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von der anderen Seite:
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Weiter in der westlichen Längsachse, stößt man auf den Trg brace Mažuranić. Dort ist bis auf ein wenig Grünfläche und einen Spielplatz nichts sehenswertes anzutreffen. Rechts davon befindet sich allerdings das Ethnografische Museum mit einer imposanten Kuppel im Stil der Wiener Secession:
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Vor dem Übergang zur Querachse, schließt der Marulićev trg die westliche Längsachse ab. Dort befindet sich das Kroatische Staatsarchiv (ehem. National- und Universitätsbibliothek):
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Die Rückseite des Staatsarchives. Beeindruckende Architektur der kroatischen Secession. Davor steht ein Denkmal für den Archäologen Don Frane Bulić.
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In der Querachse ist der Botanički vrt (Botanische Garten). Dort gibt es nichts besonderes.
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Und um diese Jahreszeit hält sich die Vielfalt an Blumen auch in Grenzen.
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Bevor die Querachse mit dem Reiterdenkmal von König Tomislav endet (s. erstes Bild), kommt man an prächtigen Bauwerken vorbei (Grünflächen sind keine mehr vorhanden):
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Überall in der Stadt sind wundervolle Bauten zu finden (gegenüber des Nationaltheaters):
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Oder hier kurz vor dem Übergang zur Oberstadt, nähe dem Trg bana Josipa Jelačića (Ban-Josip-Jelačić-Platz):
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Der Trg bana Josipa Jelačića ist der Mittelpunkt der Stadt. Tagsüber sind dort viele Verkaufsstände für Kleidung, Wurst, Käse, Honig…
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Zudem steht auf dem Platz ein Denkmal für Ban Josip Jelačić. Die Häuser dahinter sind – wie viele andere Häuser in Zagreb auch – einfach wunderschön.
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Weiter links vom Denkmal führt eine Treppe zum Dolac – der größte und bekannteste Marktplatz Zagrebs. Dort verkaufen Bauern und Händler ihr Gemüse und Obst (welches es unten am trg bana Josipa Jelačića nicht gibt!). Ihre Produkte tischen sie liebevoll und mühevoll geordnet auf:
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Verlässt man den Platz Richtung Nord-Osten, gelangt man zum Kaptol-Platz mit dem Prachtstück von Zagreb: Die Kathedrale der Himmelfahrt der Seligen Jungfrau Maria (kurz: Mariä Himmelfahrt)! Davor ist der Brunnen der Muttergottes mit Engeln:
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Türbogen der Kathedrale:
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Der Springbrunnen der Muttergottes mit Engeln befindet sich vor der Kathedrale. Oben ist eine Skulptur Muttergottes zu sehen. Darunter sind vier Engel, welche die christlichen Tugenden – Glaube, Hoffnung, Unschuld, Demut – verkörpern. Die vergoldeten Skulpturen strahlen wahrhaftig in intensiv goldener Farbe!
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Neben der Kathedrale befindet sich die alte Turmuhr der Kathedrale (links im Bild), eine alte Säule (mittig) und eine neue Säule (rechts) der Kathedrale.

Die Turmuhr der Kathedrale hängt an einer Wehrmauer um die Kathedrale. Diese hängt dort aber nicht zu praktischen Zwecken oder schon immer, sondern zur Erinnerung an das schwere Erdbeben von 1880. Damals wurde ein Großteil der Kirche zerstört – u.a. wurde die Uhr schwer beschädigt. Sie blieb um 7 Uhr, 3 Minuten und 3 Sekunden stehen.

Die linke Säule wurde beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben 1880 neu eingebaut (Fertigstellung 1901). Diese wurde durch Schadstoffe in der Luft beschädigt. Auch durch die während des Kommunismus herrschende Armut, Vernachlässigung und Mißachtung der katholischen Sakralobjekte wurde die Instandhaltung der Kathedrale vernachlässigt. 1990 begann dann eine erneute Renovierung, bei der die linke Säule ausgebaut wurde.

Die Rechte Säule ist eine originalgetreue, handgemachte Meißelung der linken, die demnächst an der Stelle der alten an der Kathedrale eingebaut wird (anscheinend befindet sich derzeit keine Säule an der alten Stelle).
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Läuft man nun Richtung Westen, gelangt man in die „richtige“ Oberstadt (Gornji Grad). In dessen Zentrum befindet sich der Markov trg – ein großer Platz mit der außergewöhnlichen Kirche St. Markus (13. Jh.) in der Mitte. Diese sticht beim Betreten des Platzes auch sofort ins Auge. Hier aus Nord-östlicher Richtung:
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Von Nord-West:
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Die Ziegelsteine auf der nördlichen Seite sind schon außergewöhnlich bunt (für eine Kirche – kroatische Nationalfarben). Auf der Südseite erkennt man aber die wahre Außergewöhnlichkeit: Es sind zwei Wappen aus Ziegelsteinen auf dem Dach gelegt. Süd-West:
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Auf der südlichen Seite erkennt man nun die zwei Wappen deutlich. Auf dem Dach sind die Wappen seit den Renovierungsarbeiten vom Ende des 19. Jh. zu finden. Das linke Wappen zeigt die Dreieinigkeit des Königreichs Kroatiens, Dalmatien und Slawonien. Das Rechte ist das der Stadt Zagreb.
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Die Gebäude um die Kirche, also die die den Platz einschließen, sind Regierungsgebäude. Kaum zu glauben, dass diese die politisch wichtigsten Gebäude Kroatiens sind bei dieser Ruhe und Gelassenheit, die dort herrscht – wirken eher wie normale, sehenswerte Häuser. Osten: Hier das Sabor (kroatische Parlament):
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Prächtiges Eingangsportal des Sabors:
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Der Eingang des Sabors befindet sich direkt hinter dem Hauptschiff der Kirche, deshalb hier nicht sichtbar. Zum Häuserblock des Sabors zugehöriges Gebäude:
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Norden: Weiteres (wichtiges?) Gebäude:
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Im Westen des Platzes befindet sich der Banski dvori (Banal-Hof). Der Palast wurde anfang des 19. Jh. gebaut und ist heute der Sitz der kroatischen Regierung sowie des Premierministers – es stand ein einzelner Polizist davor!
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Verlässt man den Markusplatz Richtung Osten, sieht man das Steinere Tor. Es ist das einzig erhaltene Stadt. Es verbindet die Unter- mit der Oberstadt (bzw. hier: Ober- mit Unterstadt) – aber eher unspektakulär. Der Durchgang wurde in das Gewölbe der Muttergotteskapelle gebaut. Im Durchgang befindet sich auch eine Statue der Muttergottes.
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Weiter geht es Richtung Süden zum Jezuits trg. Dort bekommt man einen seitlichen Blick auf die Kirche Sv. Katarina:
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Rechts vorbei, erreicht man den Katarinin trg (Katarinenplatz). Dort ist das barocke Meisterstück Sv. Katarina von vorne anzutreffen:
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Die Figuren in der Kirchenwand sind wirklich beeindruckend:
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Rechts an der Sv. Katarina vorbei, kommt man auf einen Aussichtspunkt. Von dort kann man über den östlichen Teil Zagrebs blicken:
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Richtung Unterstadt kommt man an einem Geländer vorbei – einem besonderen Geländer (ein Love Locks-Laden war aber nicht in der Nähe ;-D –> Beitrag Makarska):
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Weiter in Richtung Unterstadt, trifft man auf eine Drahtseilbahn. Diese verbindet auf 66 Metern die Unter- mit der Oberstadt:
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Von der Bergstation hat man einen guten Blick über den südlichen Teil Zagrebs. Ist aber nichts besonderes…
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Talstation der Drahtseilbahn:
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Nebenstraße die zur Talstation der Drahtseilbahn hinführt. Im Turm im Hintergrund ist der Stadtturm:
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Einkaufsstraße in der Unterstadt. Tolle Gebäude:
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Hinkommen: Da ich unter Schlaflosigkeit in der Nacht zuvor litt (also in Hvar), beschloss ich mit der ersten Fähre um 6.35 Uhr nach Split zu fahren. Ich nahm an, dass um diese Uhrzeit lediglich eine Handvoll Personen damit fahren. Fehlgeschlagen! Der Katamaran war nahezu bis auf den letzten Platz belegt. Die Überfahrt kostet 55 KN (ca. 7,60 €). Wer nicht gleich nach Zagreb möchte: Von Split gehen ein paar Mal täglich Busse nach Plitwice und kostet ca. 100 KN (ca. 13,90 €). Nach Zagreb fahren viele Busse. Die Fahrt kostet regulär 160 KN (ca. 22,20 €). Der Co-Pilot-Busfahrer (gibt es auf großen Entfernungen; diese laufen während der Fahrt durch den Bus und verkaufen die Fahrkarten) meinte zu mir: „Student, Student…is Ok..“ keine Ahnung was er meinte, aber anscheinend bekommen Studenten Rabatt. So habe ich 130 KN (ca. 18 €) bezahlt. Es gibt auch eine Zugverbindung nach Zagreb. Die Fahrtkarte (mit dem IC) kostet 260 KN (ca. 36 €). Die Frau am Schalter meinte, nur kroatische Studenten bekommen Rabatt und RailPlus (also BahnCard) gilt in Kroatien nicht (wobei ich bei dem Nachtzug von Zagreb nach Innsbruck mit meiner BahnCard Rabatt bekam).

Achja, der Bus macht einmal ca. 10 min. Pipi-Pause. Im Bus darf/soll die Toilette nicht benutzt werden!

Wegkommen (nach Innsbruck): Es gibt eine Direktverbindung, ein Nachtzug. Mit RailPlus (also BahnCard 25) Ermäßigung im Sitzwagon noch 515 KN (ca. 72€) gekostet; Normalpreis im Sitzwagon wären 640 KN (ca. 89€) gewesen. Gibt kein Frühbucherrabatt und laut Auskunft sind immer genügend Plätze vorhanden. Preise für die Fahrt sind echt ein Schnäppchen. Von der Österreichischen Grenze bis nach Innsbruck hätte ich schon mehr gezahlt! Daher sind die Verbindungen mit Umstiegen teurer. Die Fahrt im Liege-/ Schlafwagen kostet auch mehr!

Unterkunft: Geplant war eigentlich auf dem Campingplatz zu nächtigen. Da dieser jedoch sehr außerhalb liegt und mit mehr als 13 €/ Nacht nicht gerade billig ist, beschloss ich mit meiner Hostels-App eine Unterkunft zu suchen (gibt ja in nahezu jedem Lokal/ Café WiFi for Free). Habe dann auch welche gefunden, Preise verglichen, Verfügbarkeit geprüft und bin direkt zu dem Hostel hin (ohne über Internet zu buchen). Landete dann bei dem Hostel Favela. Ist quasi ein großes Ein-Familienhaus mit paar Privatzimmern und einem Gemeinschaftssaal. Zimmer sind ganz schön und relativ neue Einrichtung. Als ich dort war, wirkte es zwar nicht so ganz sauber, lag aber noch im Rahmen. Es befindet sich etwas außerhalb; Fußweg in die Innenstadt ca. 25 min., Tram wenige Minuten und kostet 10 KN (ca. 3,60 €). Ich habe alleine (!) in einem 6-Personen Gemeinschaftsschlafsaal für 100 KN/ Nacht (ca. 13,50€) übernachtet, WiFi kostenlos und funktionierte einwandfrei (im Gegensatz zu dem in den Camps).

Fazit: Zagreb hat mich wirklich überrascht. Einerseits hätte ich ein hektisches Stadtleben erwartet und andererseits nichts wirklich beeindruckendes. Jedoch hat es mich mit seiner Architektur, den Gebäuden, der Gelassenheit, den vergleichsweise günstigen Preisen,… wirklich überzeugt. Vor allem es ist nicht so Touristenüberlaufen wie andere Groß-/ Hauptstädte. Zagreb sollte auf keinen Fall bei der Planung einer Städtereise vernachlässigt werden. Da Ljubljana (Laibach/ Slowenien) auch sehr sehenswert seien soll und ohne großen Umweg sowieso auf dem Weg liegt, wäre eine Kombination gut denkbar.